Identity & Access Management Konzept

Der cloudorientierte Kurs von SAP sorgt für die tiefgreifendsten Veränderungen in der SAP-Welt seit vielen Jahren. Neben der Einführung neuer Produkte wird das klassische SAP Identity Management zum Dezember 2027 abgekündigt. Eine optionale Supportverlängerung bis 2030 ist zwar vorgesehen, aber kostenpflichtig.

Ungeachtet dessen steht fest: Identity & Access Management (IAM) gehört zu den zentralen Zukunftsthemen der SAP‑Welt. Es geht dabei nicht nur um Technologie, sondern um die Grundlage für Sicherheit, Compliance und Effizienz in einer hybriden SAP‑Landschaft. Ein IAM muss deshalb strategisch geplant werden.

Warum Unternehmen ein professionelles IAM brauchen

SAP IDM läuft aus – handeln Sie rechtzeitig

Mit dem Auslaufen des SAP Identity Management entfallen Sicherheitsupdates, Patches und Support. Entscheidender als der fehlende Support ist jedoch, dass neue Anforderungen eine moderne Architektur erfordern, die das alte Produkt nicht mehr leisten kann.

Die Abkündigung bietet somit die Möglichkeit, das Berechtigungsmodell zu überdenken und von Grund auf zu modernisieren. Herzstück der künftigen Architektur sind die SAP Cloud Identity Services, die allerdings lediglich SAP‑Applikationen verwalten. Daher empfiehlt sich die Kopplung mit einem führenden Identity‑Provider wie Microsoft Entra ID, der die Authentifizierung in der gesamten Landschaft übernimmt. Das Ziel eines modernen IAM-Konzepts muss es sein, die Vielzahl unterschiedlicher Nutzeridentitäten innerhalb der IT‑Landschaft auf eine eindeutige Identität pro Person zu reduzieren.

Quelle: architecture.learning.sap.com

CloudNutzung steigert die Komplexität

Jede neue Anwendung erhöht zunächst die Zahl der Identitäten, Rollen und Berechtigungen. Ohne einheitliches IAM führt dies zu doppelter Rollenpflege und vielen ungenutzten Nutzerkonten, die nicht bereinigt werden. Die SAP Cloud Identity Services helfen, die Identitätsverwaltung in Cloud‑und hybriden Umgebungen zentral zu steuern. Sie liefern Funktionen wie Benutzerprovisionierung, Authentifizierung und Single Sign‑On, policybasiertes Berechtigungsmanagement und ein zentrales Identitätsverzeichnis. Damit lassen sich Benutzerkonten, Rollen und Berechtigungen in allen SAP‑Systemen automatisiert verwalten und das Segregation‑of‑Duties‑Risiko (SoD) reduzieren. Am Ende eines guten IAM‑Konzepts steht ein Identitäts‑Lifecycle, der Nutzer automatisch anlegt, berechtigt und wieder entzieht.

Sicherheitsanforderungen und Compliance steigen

Ein modernes IAM begegnet Sicherheitsrisiken durch Mehrfaktor‑Authentifizierung, risikobasierte Authentifizierung, attributbasierte Zugriffskontrolle sowie das Least‑Privilege‑Prinzip. Letzteres stellt sicher, dass Anwender nur die Rechte erhalten, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen. Dies verringert die Angriffsfläche, verbessert die Systemstabilität und erschwert die Verbreitung von Schadsoftware. Zugleich liefert dieses Prinzip Audit‑Nachweise und vereinfacht die Einhaltung von Compliance‑Vorgaben. So erhöht sich die Sicherheit der gesamten SAP‑Landschaft deutlich.

Effizienz durch Automatisierung

Manuelle Benutzerverwaltung bindet erhebliche Ressourcen und ist fehleranfällig. Automatisierte Provisioning‑Prozesse synchronisieren Änderungen innerhalb von Sekunden und löschen veraltete Konten. Moderne IAM‑Lösungen integrieren sich in HR‑Prozesse und automatisieren Onboarding, Rollenwechsel und Offboarding, sodass Mitarbeitende stets die passenden Berechtigungen haben – nicht mehr und nicht weniger.

Governance und Verantwortlichkeiten

Neben der Technologie sind klare Regeln und Verantwortlichkeiten entscheidend. Eine gute IAM‑Governance legt fest, wer Berechtigungen beantragt, wer sie genehmigt und wer sie regelmäßig überprüft. Das Segregation‑of‑Duties‑Prinzip (SoD) verteilt Aufgaben auf mehrere Personen, um Fehler und Betrug zu verhindern. SoD wird von zahlreichen Regulierungsbehörden gefordert und ist ein Standard, um kritische Zugriffskombinationen zu vermeiden. Richtlinien und automatisierte Prüfungen stellen sicher, dass Konflikte bei der Rechtevergabe erkannt und verhindert werden.

Bausteine eines modernen IAMKonzepts

Ein effektives IAM besteht nicht nur aus Technologie; es verbindet Technik, Prozesse und Unternehmenskultur. Die folgenden Bausteine haben sich bewährt:

  1. Governance und Rollenmodelle
    • Rollenmodell entwickeln: Ein strukturiertes Rollenmodell definiert Aufgaben und Verantwortlichkeiten und weist ihnen die entsprechenden Berechtigungen zu. Klare Rollen erleichtern die Umsetzung des Least‑Privilege‑Prinzips und sorgen für nachvollziehbare Zugriffe.
    • Zuständigkeiten festlegen: Legen Sie fest, wer Berechtigungen beantragt, wer sie genehmigt und wer sie überwacht. SoD‑Kontrollen verhindern, dass eine Person gleichzeitig kritische Schritte eines Prozesses ausführt.
    • Regelmäßige Reviews: Planen Sie zyklische Berechtigungs‑Reviews, um sicherzustellen, dass Rechte weiterhin benötigt werden und entzogen werden, wenn sie nicht mehr erforderlich sind.
  2. Identity‑Lifecycle‑Management automatisieren
    • Integration mit HR‑Prozessen: Automatisieren Sie die Benutzeranlage beim Eintritt, passen Sie Berechtigungen bei Rollenwechseln an und entziehen Sie sie beim Austritt. Automatisches Provisioning reduziert die manuelle Arbeit und minimiert Sicherheitsrisiken.
  3. Zentrale Authentifizierung und SSO
    • Single Sign‑On (SSO): Ein einziger Login für alle SAP‑Systeme erhöht den Komfort und senkt den Supportaufwand. SAP Cloud Identity Services bieten sichere Authentifizierung und SSO.
    • Mehrfaktor‑Authentifizierung (MFA): Ergänzen Sie SSO durch MFA und risikobasierte Authentifizierung, um unsichere Anmeldeversuche zu blockieren.
  4. Einheitliches Berechtigungs- und Policies‑Management
    • Policy‑basierte Autorisierung: SAP Cloud Identity Services ermöglichen die zentrale Vergabe von Berechtigungen anhand von Unternehmensrichtlinien und schaffen Transparenz.
    • Least Privilege und Just‑in‑Time: Implementieren Sie ein rollenbasiertes Modell, das nur die minimal benötigten Rechte vergibt. Es reduziert die Angriffsfläche, verbessert die Systemstabilität und verlangsamt die Ausbreitung von Malware. Just‑in‑Time‑Zugriffsgewährung entzieht temporäre Berechtigungen automatisch, wenn sie nicht mehr benötigt werden.
    • Segregation of Duties: Nutzen Sie eine SoD‑Policy‑Engine, die kritische Berechtigungskombinationen automatisch erkennt und blockiert.
  5. Transparenz und Reporting
    • Zentrales Identitätsverzeichnis: Ein einziges Verzeichnis reduziert Redundanzen und ermöglicht revisionssichere Audit‑Reports.
    • Audit‑Trail: Dokumentieren Sie, wer wann welche Berechtigungen beantragt, genehmigt oder entzogen hat. Dies unterstützt interne Kontrollsysteme und externe Audits.

Ihr Nutzen: Sicherheit, Effizienz und Zukunftsfähigkeit

Ein durchdachtes IAM liefert greifbare Vorteile:

  • Höhere Sicherheit: Die Kombination der genannten Maßnahmen verringert die Angriffsmöglichkeiten. Wenn weniger Nutzer erhöhte Rechte besitzen, lassen sich Angriffe schlechter ausführen.
  • Komfort für Benutzer: SSO und passwortlose Anmeldungen vereinfachen den Arbeitsalltag. Passkeys bieten gleichzeitig starke Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit.
  • Entlastung der IT: Automatisches Provisioning und Deprovisioning reduzieren manuelle Aufgaben, sodass sich Ihr Team auf strategische Projekte konzentrieren kann.
  • Compliance und Audit‑Sicherheit: Zentralisierte Richtlinien, SoD‑Kontrollen und Audit‑Trails erleichtern die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und die Vorbereitung auf Audits.
  • Zukunftssicherheit: Moderne IAM‑Plattformen unterstützen nicht nur SAP‑Systeme, sondern integrieren sich in andere Cloud‑ und On‑Premises‑Applikationen. Flexible Zugriffsmodelle halten Sie für zukünftige Anforderungen offen.

Fazit: IAM als strategischer Erfolgsfaktor

Identity & Access Management ist weit mehr als ein Werkzeug zur Benutzerverwaltung. Es ist der strategische Pfeiler für Vertrauen in digitalen Geschäftsprozessen. Angesichts des Endes des klassischen SAP IDM, der zunehmenden Cloud‑Nutzung, der wachsenden Zahl externer Identitäten und der Risiken durch KI ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ein zukunftsfähiges IAM‑Konzept zu etablieren. Dabei zählen nicht nur Technik, sondern auch Governance, Prozesse, Sicherheitsprinzipien und Kultur.

Die Einführung eines modernen IAM erfordert Erfahrung und ein klares Zielbild. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Berechtigungslandschaft zu analysieren, ein passendes Rollen‑ und Governance‑Modell zu entwickeln und Ihre SAP‑ und Non‑SAP‑Systeme sicher zu integrieren. Gemeinsam schaffen wir eine Grundlage für sichere, effiziente und zukunftsfähige SAP‑Prozesse und geben Ihnen die Freiheit, sich auf Innovation zu konzentrieren.

Ihr Ansprechpartner

Tobias Penner
SAP Technologie Berater

Tobias beschäftigt sich in diversen Kundenprojekten mit Cloud-Produkten der SAP. Als zertifizierter Administrator und Solution Architect erfüllt er eine wichtige Doppelfunktion. Damit schafft er sowohl auf strategischer Ebene als auch im Tagesgeschäft gezielt Mehrwerte für Kunden.